5 Faktoren, die zwischen Traumjob und quälendem Beruf entscheiden

Jeder Mensch ist unterschiedlich. Und doch eint uns, dank unserer gemeinsamen Abstammung, physiologisch und psychologisch enorm viel. Irgendwie auch nicht wirklich verwunderlich, wenn man bedenkt, dass alle Menschen auf dem Planeten zu ca. 99,9% das gleiche Erbgut haben. Wie wir schon im Blog-Artikel zum höchsten Sinn gesehen haben, konnten Wissenschaftler entschlüsseln, dass wir uns alle – evolutionär bedingt – dieselben Grundbedürfnisse teilen. Wenn dem so ist, lässt sich dann möglicherweise auch ableiten, welche universellen Faktoren und Komponenten ein Job enthalten muss, damit er glücklich macht? Oder sind wir dafür zu speziell, zu unterschiedlich?

Unzählige Studien und Meta-Studien der Glücksforschung rund um den Globus haben erforscht, wann Menschen ihren Beruf lieben und wann nicht. Das Ergebnis: obgleich unsere Individualität zu unterschiedlichen Ausprägungen und Schwerpunkten führt, gibt es sie tatsächlich, die Checkliste für den Traumjob.

Leider scheint sie aber auf den ersten Blick etwas trocken und theoretisch. So trocken und theoretisch, dass sie sich nicht in Sekunden wie eine Prüfschablone über einen möglichen neuen Job legen lässt. Warum sie trotzdem enorm wertvoll ist, wollen wir uns nun anschauen.

Seit wann muss Arbeit eigentlich glücklich machen?

Historisch betrachtet ist die Vorstellung, dass uns Arbeit Spaß machen oder gar erfüllen soll, ein extrem junges Konzept. Die längste Zeit unserer Entwicklungsgeschichte besaßen unsere Vorfahren ohnehin nicht die Mittel oder Fähigkeiten, sich auszusuchen womit sie ihren lieben langen Tag verbrachten. Und noch im letzten Jahrhundert wurde Produktivität, ganz im Dienste des allgemeinen Wohlstands, als Oberziel ausgerufen. Einem bestimmten Frederick W. Taylor haben wir zu verdanken, dass Fabriken dazu immer effizienter wurden und unser Wirtschaft in der Folge immer weiter wuchs – aber nicht ohne einen Preis dafür zu zahlen. Der Preis ging zu Lasten des Arbeiters: starke Kontrolle und Überwachung, kleinteilig zerlegte Teilaufgaben und penible Routinen. Begriffe wie Work-Life Balance, intrinsische Motivation und eigenständige Zielerreichung mussten wohl erst noch erfunden werden. In den 60er Jahren kam der verrückte Gedanke auf, wirtschaftliche Interessen nicht mehr als alleinige Zielgröße zu maximieren. Die Motivation der Arbeiter rückte allmählich mit in den Fokus – obwohl dies zu Beginn dennoch nicht ganz altruistisch war. Motivierte Arbeiter, so wurde ermittelt, würden positiv auf die Qualität und Quantität der Arbeitsleistung wirken. Ob Zweck oder Mittel – langsam stieg das Interesse am Faktor Zufriedenheit, auch wenn es bis zum “New Work” Zeitalter noch ein Paar Jahrzehnte brauchen würde.

1975 wurde mit der Vorstellung der Job Characteristics Theory ein erstes Modell präsentiert, welches die wesentlichen Faktoren von Motivation und Job-Zufriedenheit eingehend untersuchte. Seither ist erfreulicherweise viel passiert. Der gestiegene Wohlstand einerseits wie auch die psychologischen Erkenntnisse über die Bedeutung von Motivation andererseits haben das Thema Purpose von der Neben- auf die Hauptbühne gehievt.

Die Komponenten, die über Traumjob oder quälende Arbeit entscheiden

Zusammenfassend lassen sich die Erkenntnisse aus den diversen Studien in drei Oberkategorien clustern:

1. Positive Einflussfaktoren

Dies sind Faktoren, die die Zufriedenheit in beide Richtungen stark beeinflussen – und entweder die Motivation steigern, oder bei Abwesenheit auch limitieren.

2. Bestenfalls neutrale Faktoren 

Die zweite Kategorie an Komponenten ist tückisch – ihre Erfüllung bringt lediglich keine Unzufriedenheit, aber echte Begeisterung kann sich durch sie nicht einstellen.

3. “Un-Faktoren” (also die Motivation nicht beeinflussende Aspekte)

Zuletzt gibt es noch Faktoren, die so gut wie gar keinen Einfluss haben – obwohl wir landläufig bei manchen von ihnen davon ausgehen, dass sie gewichtig seien.

Fangen wir bei den stärksten Determinanten an – den Positiven Einflussfaktoren.

5 Positive Einflussfaktoren

1. Abwechslung & Vielfalt

Abwechslung ist eine wesentliche Komponente von Motivation. Das gilt insbesondere wenn sie durch Aufgaben entsteht, welche verschiedene Stärken eines Individuums anspricht. Je mehr eine Arbeit unterschiedliche Fähigkeiten erfordert, desto größer ist der Beitrag zu einem positiven Gefühl. Dabei ist das richtige Verhältnis von Herausforderung eine magische Komponente für Motivation (und die Kernzutat für den “Flow”-Zustand). Einerseits muss sie stark genug sein, um den Job spannend zu machen, andererseits nicht so groß, dass Frust und Überforderung entstehen kann. Die angesprochenen Stärken und Talente müssen dir im Übrigen nicht einmal bekannt sein. Selbst wenn du von dir denkst, eine bestimmte Aufgabe könne ja jeder, kann im Kern eine besondere Fähigkeit gefordert sein (und unbewusst deine Zufriedenheit pushen).

2. Autonomie & Freiheit

Ein gewisser Grad an Selbständigkeit, bspw. wie und wann die Arbeit gestaltet wird, kann Wunder bewirken. Es kreiert ein Gefühl von Verantwortlichkeit in einem Bereich, und gibt damit Bedeutung für das eigene Schaffen, für die eigene Person. Umgekehrt können zu starke Vorgaben und Einschränkungen ein absoluter Motivationskiller sein, der jegliche Neugierde und Selbstentfaltung erstickt.

3.  Fortschritt

Unsere Spezies will – egal ob von Mitmenschen, Vorgesetzten, Freunden oder auch bloß von uns selbst – Anerkennung haben für das, was wir leisten. Wir möchten etwas schaffen, das sichtbar ist – ein echtes, messbares Ergebnis also. Das Wissen über dieses Ergebnis ist ausschlaggebend für die Zufriedenheit. Bloße Teilschritte, die dann an andere übergeben werden ohne Kenntnis unseres eigenen Beitrags sind demotivierend. Dazu brauchen wir Feedback – Feedback über die direkte Auswirkung unserer Arbeit. Wir kommen als neugierige, lernwillige Lebewesen zur Welt – und selbst wenn unser Lernhunger im Erwachsenenalter abnimmt und von Mensch zu Mensch schwankt, ist ein gewisser Grad an sichtbarem Vorankommen für jeden von uns unabdingbar.

4. Sinnhaftigkeit

Uns alle eint der Wunsch nach Sinnhaftigkeit. Die eigene Interpretation, was einem Individuum als sinn-voll erscheinen mag, ist dabei jedoch so vielfältig wie unser Musikgeschmack. Spannend ist zudem, dass unser Bedürfnis danach auf unterschiedlichen “Sinn-Ebenen” erfüllt sein kann – und, im besten Falle, auf mehreren.

Für den einen kann dies bereits erfüllt sein durch die ausgeübte Rolle innerhalb einer Abteilung oder Firma. Wer im Controlling die finanzielle Sicherheit der Organisation garantiert oder im Recruiting die richtigen Mitarbeiter scoutet, kann darin einen Antrieb und echte Leidenschaft finden.

Für andere dagegen ist der letztendliche Output, das Produkt ausschlaggebend. Bei größeren Unternehmen ist das bspw. ob am Ende Ökostrom produziert, Lernmaterialien für Kinder hergestellt oder Sportwagen hergestellt werden.

Für wiederum andere kann es die Vision der Organisation sein, die antreibt – viel mehr als das heutige Produkt. Die Welt, die also entsteht, wenn das große, magisch anziehende Ziel in 20 Jahren erreicht wird, ist dann der eigentliche Treiber sein. Die Mitarbeit in einem Raumfahrtunternehmen, welches heute “bloß” Raketen herstellt, aber mittelfristig das Besiedeln neuer Planeten ermöglichen will, kann in der Art beflügeln.

Richtig kraftvoll wird es, wenn auf allen Hierarchieebenen Sinn verspürt wird. Wenn du sowohl deine direkte Rolle und Aufgabe liebst, als auch die Produkte der Organisation und deren Vision mit Blut unterschreiben würdest, ist das Sinn-Gefühl quasi exponentiell verstärkt.

Bemerkenswert ist aber auch der Umkehrschluss. Jemand, dem das Endergebnis aus Identitäts- oder moralischen Gründen enorm wichtig ist, kann sich, obgleich er sich noch so sehr mit seiner eigenen Rolle identifiziert, auch gegen die eigene Firma wenden und seine Arbeit als sinnlos ansehen. Zählen tut ausschließlich die subjektive Wahrnehmung und Wertschätzung des gesamten beruflichen Kontexts, und seiner verschiedenen Sinn-Ebenen (siehe auch dieser Blog-Artikel zur Maximierung von Purpose).

5. Gute Beziehungen

So erfüllend eine Aufgabe und so wunderbar sie in eine größere, begeisternde Vision eingebettet sein mag, der Faktor Mensch ist unabdingbar. Manch einer braucht, damit er sich im sozialen Gefüge wohlfühlen kann, enge Freunde in seiner Arbeit; ein anderer muss sich lediglich mit allen ausreichend gut zum Small Talk verstehen. Sollte aber, wieder höchst individuell und subjektiv, die Chemie nicht stimmen – weil die Unternehmenskultur zu steif (oder auch umgekehrt zu locker) ist, weil der Vorgesetzte einen menschlich nicht ausreichend respektiert und fördert, oder gar weil Kollegen Mobbing ausüben – dann reißt  auch eine erfüllende Aufgabe das Ruder nicht herum.

Für jeden Menschen ist die Gewichtung der 5 Faktoren, d.h. wie wichtig  der eine oder der andere ist, ganz unterschiedlich – aber subjektiv müssen alle erfüllt sein; je stärker, desto besser. Springt bei einem einzigen die Ampel auf rot, und hält es für längere Zeit an, kann sich das toxisch auf die Gesamtzufriedenheit auswirken. Dann wird auch der Weg zu einem Burn-Out oder Erschöpfungsdepression wahrscheinlicher.

Die tückischen und die überschätzten Faktoren

Neben diesen fünf besonders kritischen und gewichtigen Faktoren gibt es noch die Gruppe der neutralen Faktoren und der “Un-Faktoren”. Sie werden entweder nur bei Abwesenheit bemerkt – oder haben, wider aller Annahmen, so gut wie keinen Einfluss auf unsere Zufriedenheit. Dazu gehören:

Bestenfalls neutrale Faktoren

Nur bei Abwesenheit wirklich bemerkbar machen sich:

  • Faires Gehalt
  • Job-Sicherheit & Stabilität
  • Gute Arbeitszeiten
  • Erträgliche Reisezeiten (Pendeln bzw. Geschäftsreisen)

“Un-Faktoren”

Zu den am stärksten überschätzten Faktoren gehören, nach Erkenntnissen der wissenschaftlichen Studienlage:

  • Interessen-Match
  • Wenig Stress
  • Niedrige Arbeitszeiten

Diese zwei gewichtigen letzten Gruppen schauen wir uns im nächsten Post näher an.

Erkennst du dich in deiner aktuellen beruflichen Situation schon wieder? Welche Faktoren tragen zu deiner positiven Sicht auf deinen Job bei – und welche bilden noch ein Delta?

The Happy School Blog

The Happy School führt dich durch Coaching-Kurse Schritt für Schritt zu deiner Berufung. Wir räumen mit Mythen und falschen Glaubenssätzen zum Thema Job-Wahl auf, erklären die neuesten Forschungsergebnisse aus der „Glücksforschung“ und geben praktische Tips für die eigene Sinnsuche. Unsere wöchentlichen Blog-Artikel geben in Häppchen-Form Impulse für das Gestalten deines Traumberufs. Wir verstehen uns als Begleiter auf der Reise zur authentischsten und lebensfröhlichsten Version deiner selbst.