Jobwechsel richtig gemacht: In 5 Schritten zum maßgeschneiderten Job

Im letzten Blog-Post haben wir uns angeschaut, warum Jobwechsel häufig nur das Symptom anpacken, nicht aber die Ursache. Wir haben festgestellt, dass ein “typischer” Jobwechsel an 2 wesentlichen Stellen krankt: a) wir kennen uns selber kaum und b) wir lernen in einem Bewerbungsprozess den potentiellen Arbeitgeber und die Rolle nur oberflächlich kennen. Dass es auch anders geht, wollen wir uns nun anschauen.    

Lösungssuche: Wie findet man den echten Traumjob?

Die gute Nachricht vorab: es ist sehr wohl möglich, den Weg zum eigenen Purpose und echter Begeisterung proaktiv zu planen und umzusetzen. Damit kann noch vor Job-Antritt eine zuverlässige Auskunft darüber bestehen, ob die Rolle glücklich machen würde oder nicht. Um die Fallstricke des üblichen Prozedere zu umgehen, muss an beiden Enden angepackt werden: sich selbst besser kennen lernen und potentielle Arbeitgeber und Jobs viel näher durchleuchten. Wir stellen hier einen Ansatz vor, der auf Design Thinking & Life Design Methoden basiert – und nach aktueller Studienlage am allerbesten geeignet ist einen echten Traumjob zu finden. 

1. Sich selbst kennen lernen

Zunächst einmal erfordert es, alles zu beleuchten was das persönliche Glück im Beruf tatsächlich ausmacht. Aus einem konfusen “ich hasse meine Arbeit” oder auch “das Projekt damals hat super viel Spaß gemacht” darf also genau herauskristallisiert werden, was die eigentlichen Gründe für Unlust oder Motivation sind. 

Dazu gehört, die eigenen Stärken, Talente und Fähigkeiten, Motive, Werte und Antreiber zu verstehen – aber auch einen persönlich begeisternden, höheren Sinn und damit verbundene Interessensgebiete zu identifizieren. Diese Inventur darf gerne richtig tief gehen – nicht selten so tief wie nie zuvor im Leben. Je präziser die Ist-Aufnahme der Persönlichkeit und je genauer das Verständnis dafür, was begeistert und was demotiviert, desto einfacher gehen die Folgeschritte von der Hand.   

Neben den eigenen Charakteristiken gehören erforderliche Rahmenbedingungen eines Jobs ebenso in diese Phase – bspw. Arbeits- und Reisezeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten, Gehaltslevel und Job-Sicherheit. 

Sich nicht vom eigenen Gehirn austricksen lassen

Ähnlich wie bei einer Gehaltsverhandlung (oder einer anderen wichtigen Verhandlung) ist es von enormer Bedeutung, sich die Gedanken zu machen – und Entscheidungen zu treffen – noch bevor man in einem konkreten Prozess drin ist. Die Gefahr ist nämlich, wenn “rote Linie” und Must-Haves nicht klar definiert sind, dass unser Gehirn uns einen Streich spielt. Haben wir einmal die kühle Rationalität verlassen und begeben uns mit einem Gegenüber in eine (womöglich sympathische) Verhandlung, neigt es dazu plötzlich ganz andere Faktoren zu beleuchten als vorher noch wichtig waren. Mit sich selbst vorab einen Deal zu machen – als wäre es ein Versprechen an den Lebenspartner – bewahrt uns vor den Launen unseres Hirns – und kann zu deutlich nachhaltigeren und langfristig passenden Entscheidungen führen.  

2. Job-Optionen kreieren

Nachdem in einer Phase von Introspektion echte Selbstkenntnis hergestellt wurde, beginnt die Suche nach passenden Job-Ideen. Allerdings – auch hier darf vom konventionellen Vorgehen gerne abgewichen werden. Denn die meisten Menschen haben, bedingt durch ihren familiären Background, Erziehung, gesellschaftliche Prägung, die Jobs ihrer Bekannten (sprich: in ihrer “Bubble”) und bisherige berufliche Erfahrungen einen viel zu kleinen Fokus. Das bisherige Weltbild und limitierende Glaubenssätze engen die Berufswahl unnötig ein – in der falschen Annahme, dass sich in dem bisherigen Suchraster die einzigen Karriereoptionen befinden. Wir leben in einem Zeitalter, das mehr berufliche Optionen und Karrierelaufbahnen anbietet als je zuvor – und planen dennoch häufig noch so, als wären wir im Mittelalter.   

Wer einmal verstanden hat, was sein Herz höher schlagen lässt, fängt also am besten auf der grünen Wiese an, passende Jobs zu suchen – auch fernab des vorher gepflegten Rasters. Dazu eignen sich bspw. Kreativmethoden, die den Blickwinkel radikal erweitern und völlig neue Ideen entwickeln. Um nicht von vorneherein von alten Denkmustern wieder eingefangen zu werden, sollten jegliche Bewertungen zunächst ausbleiben – diese bekommen noch früh genug Aufmerksamkeit, wenn es an die Priorisierung geht. 

3. Priorisieren

Erst nachdem der Trichter ganz weit geöffnet wurde und – radikal wertfrei – eine fast sinnlos lange Liste an wilden Jobs entstanden ist, darf – dann aber systematisch – bewertet werden. Um zielgerichtet und präzise die Auswahl einzuschränken, kann nun mit Hilfe der zuvor erarbeiteten Filter gesiebt und priorisiert werden. Übrig bleiben dann nur noch Job-Optionen, die das Potential haben dauerhaft zu begeistern – soweit es sich vom Schreibtisch aus und “ohne Anprobieren” vorher bestimmen lässt. Und genau dazu folgt der nächste Schritt – ein prototypenhaftes Ausprobieren, bevor der alte Job gekündigt, ein neuer Vertrag unterschrieben oder gar in eine neue Stadt umgezogen wurde.   

4. Prototyping

Im Design-Prozess für neue Produkte bzw. der Frühphase von Start-Ups sind seit Jahren verschiedene agile und iterative Testing-Methoden entstanden, die unter hoher Unsicherheit das möglichst schnelle Validieren erlauben. Genau diese Methodiken – aus dem Design Thinking übernommen – helfen uns auch, Jobs auszufiltern oder aber mehr über sie zu lernen. 

Anstatt wie in einem konventionellen Bewerbungsprozess früh den Hebel umzulegen und – mit nur wenig Daten – eine Zusage abzugeben, wollen wir möglichst viele Datenpunkte sammeln und das Risiko einer Fehlentscheidung minimieren. Es ist heutzutage glücklicherweise ein leichtes, über potentiell spannende Jobs oder Unternehmen eine Vielzahl an Informationen einzuholen. Mit jeder weiteren gewonnenen Schicht an Informationen kann das Bauchgefühl gestärkt werden – und die Treffsicherheit für ein Matching erhöht werden. Anstatt auf der anderen Seite des Tisches in einem Interview zu sitzen und zu hoffen, dass die eigenen Fragen zum Schluss noch authentisch beantwortet werden, dürfen wir also schon vorher aktiv werden. 

Was einen konkreten Arbeitgeber angeht, lassen sich noch vor einer Bewerbung wahre Schätze an Auskünften einholen. Die Unternehmenskultur, mögliche Kollegen, die Dynamik untereinander, die Führungsart von pot. Vorgesetzten, die echten, gelebten Werte, die Philosophie und die Bedeutung eines jeden einzelnen Menschen – sie alle müssen keine Unbekannten bleiben. Ansätze für agiles Kennenlernen reichen bspw. von Firmenevents und dem losen Austausch mit Mitarbeitern über verabredete Mittagessen mit einzelnen Teammitgliedern und einem Austausch mit früheren Mitarbeitern bis hin zu probeweiser Mitarbeit. 

Job-Angebot ganz ohne Bewerbung

Richtig angegangen führt ein solches Vorgehen nicht selten dazu, dass keine einzige Bewerbung geschrieben werden muss. Das beidseitige, natürliche und intensive Kennenlernen bedingt nämlich, dass auch die Arbeitgeber viel leichter Geschmack am Noch-nicht-Bewerber gewinnen – und gerne auch mal Stellen schaffen, die maßgeschneidert sind.  

5. Entscheidung

Woran merkt man, dass ein Jobkandidat der richtige ist – und die Zeit gekommen ist sich für ihn zu entscheiden? Das wertvollste am iterativen Vorgehen und den aufeinander aufbauenden Phasen ist, dass das Bauchgefühl Schritt für Schritt stärker und deutlicher wird – mit echten, validen Daten gefüttert. Wenn es an der Zeit ist, Ja oder Nein zu sagen, fühlt es sich dann wie eine ganz logische, natürliche Konsequenz an – und nicht mehr wie eine Blackbox. 

FAZIT

Die Job-Wahl hat für die meisten Menschen eine gewaltige Bedeutung für die Lebensqualität, deren Einfluss sich auf die verschiedensten Lebensbereiche – von Finanzen und Lebensstandard über Peer-Group und Freunden bis zu Sinnhaftigkeit – ausstrecken kann. Dennoch neigen wir gesellschaftlich gerne dazu, unsere berufliche Zukunft nicht minutiös zu planen, sondern eher Zufällen zu überlassen. 

Es mag aufwändig erscheinen, mit einer Analyse unserer eigenen Persönlichkeit zu beginnen, noch lange bevor die erste Job-Idee erzeugt wird. Dennoch zahlt sich der Aufwand aus – und resultiert in einer Klarheit für alle Folgeschritte. So gesehen kann man die Job-Planung mit dem Aufbau eines gewaltigen Lego Technik Bausatzes vergleichen. In saubere Teilschritte zerlegt, mit geordneten Bausteinen und perfekter Anleitung ist es ein Kinderspiel – ohne Plan und ohne Idee, was überhaupt herauskommen soll gleicht es einem Chaos ohne echte Erfolgschance.

The Happy School Blog

The Happy School führt dich durch Coaching-Kurse Schritt für Schritt zu deiner Berufung. Wir räumen mit Mythen und falschen Glaubenssätzen zum Thema Job-Wahl auf, erklären die neuesten Forschungsergebnisse aus der „Glücksforschung“ und geben praktische Tips für die eigene Sinnsuche. Unsere wöchentlichen Blog-Artikel geben in Häppchen-Form Impulse für das Gestalten deines Traumberufs. Wir verstehen uns als Begleiter auf der Reise zur authentischsten und lebensfröhlichsten Version deiner selbst.