Warum es nicht nur einen einzigen Purpose für dich gibt

Du hast deinen allerhöchsten Sinn noch immer nicht gefunden? Die Bestimmung, mit der du geboren wurdest, und die tief in deiner DNA verankert ist? Die du nur entdecken müsstest, um genauso strahlend glücklich zu werden wie die Influencer, denen du auf Insta (Pardon, Tik-Tok) folgst? Und das in deinem Alter? Oh je.

Spaß beiseite – doch wenn man einigen Purpose-Autoritäten* und so mancher Fachliteratur glauben schenken würde, dann sähe der Lebensauftrag tatsächlich ähnlich anspruchsvoll aus. Entweder wir finden unsere Bestimmung (besser noch: unseren „Purpose for Existence“) oder wir sind kläglich gescheitert! 1 oder 0 – glücklich oder unglücklich. Zwischenstufen gibt es nicht – und wer das Ziel verfehlt, verbringt weitere Jahre in der Sinnlosigkeit. Warum das nicht nur einen irrsinnig hohen Druck erzeugt, sondern nebenbei bemerkt auch noch völliger Blödsinn ist, erklären wir in diesem Blog-Post.

Was ist eigentlich Purpose oder Sinn?

Um zu erforschen, ob die „Purpose-Formel“ binär ist oder viele Zwischenstufen kennt, braucht es zunächst eine Definition davon, was Purpose eigentlich ist. Nähern wir uns einmal von zwei Seiten dem Thema „Purpose“ an – einer landläufigen und einer technischen.

1. Landläufige Definition von Purpose

Landläufig meinen wir mit „Purpose“ eine berufliche, sinnhafte Erfüllung – die sich in deinem emotionalen Gemütszustand widerspiegelt. Im Ergebnis hast du, Purpose vorausgesetzt, ein tolles Bauchgefühl, liebst das, was du tust, bist voller Antrieb und Tatendrang. Du bist gerne bei der Arbeit, beschäftigst dich auch nach der reinen Arbeitszeit mit dem Thema, und erzählst Freunden mit Leidenschaft von dem, was du tagtäglich tust. Du gewinnst durch deine Beschäftigung an Energie, die du auch in andere Lebensbereiche überschwappen lassen kannst – so bist du bspw. auch nach Feierabend aktiv und verspürst Motivation für Sport oder Hobbies.

Wenn wir von „Purpose“ sprechen, meinen wir dabei übrigens streng genommen noch etwas mehr als bloß eine sinnreiche Tätigkeit. Stell dir einmal vor, du arbeitest (ganz gleich ob als Angestellter, Freelancer oder Gründer) für ein Unternehmen mit begeisternder Mission, die du zu 100% unterstreichen kannst. Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen (siehe hier und hier) – bspw., weil du zu wenig verdienst, weil du menschlich mit deinen Kollegen, Mitarbeitern oder Vorgesetzten nicht klar kommst, weil deine Arbeitszeiten viel zu lang sind oder du viel zu viel reisen musst – kann selbst der höchste Sinn zu einer miesen Gesamtzufriedenheit führen. „Purpose“, wie wir ihn hier meinen (und es üblicherweise verwendet wird) umschließt damit alle Faktoren, die für einen selbst zu einem begeisternden, eben „sinnvollen“ Arbeitsleben im Gesamten zählen.

2. Technische Definition

Etwas trockener formuliert bedingt ein erfüllter „Purpose“ ein biochemisches Gleichgewicht in deinem Gehirn, bei der die verschiedenen Botenstoffe in solch einer Menge & Verhältnis produziert werden, dass du ein Gefühl von Glück & Begeisterung spürst. Das gleiche Neuronenfeuerwerk kann auch durch andere, von „außen“ (also nicht durch einen medizinischen Eingriff unter deiner Hirnhaut oder durch bunte Pillen) induzierte Ereignisse entstehen – bspw. wenn du frisch verliebt bist.

Zurück zur Ausgangsfrage: Gibt es für dich einen einzigen, „richtigen“ Purpose, der dir dieses geniale Bauchgefühl, bzw. diese biochemische Zusammensetzung in deinem Gehirn bescheren kann – oder könnten es auch zwei, drei oder gar unzählig viele sein?

Faktoren, die zu einem erfüllten Purpose führen

Dazu müssen wir verstehen, in Abhängigkeit welcher Faktoren unser Gehirn sich – über Umwege – entscheidet  dieses Glücksgefühl zu erzeugen. Seit der Geburt des Feldes der Positiven Psychologie Ende der 90er Jahre haben sich erfreulicherweise weltweit Psychologen, Soziologen und Motivationsforscher mit der Frage befasst – so dass wir heute ein viel besseres Bild davon haben, wie wir „ticken“. Einig sind sich die verschiedenen psychologischen Modelle** dabei in elementaren Punkten. Wir haben menschliche Grundbedürfnisse, welche sich in einer gewissen Hierarchie ordnen lassen. Am einen Ende stehen Bedürfnisse die unser Überleben garantieren (bspw. physiologische und soziale Sicherheit), am anderen Ende stehen solche, die zu Selbstverwirklichung und einem sinnhaften, erfüllten Leben führen (bspw. Wachstum oder Dienen). Sind diese Bedürfnisse durch unsere Handlungen bzw. durch unsere Gedanken erfüllt, feuert unser Gehirn – tada – das entsprechende Feuerwerk. Wir spüren, dass das, was wir tun, gut und richtig für uns ist.

Die Rolle des Jobs

Ein Beruf hat, nun dass wir zum Überleben nicht mehr täglich jagen gehen müssen, gleich mehrere Aufgaben bzw. Dimensionen. Einerseits hilft er uns im Tausch gegen unsere Arbeit Geld zu erhalten – womit wir mehrere Grundbedürfnisse befriedigen, allen voran diejenigen zur Sicherung unser Existenz (bspw. Nahrung & Dach über dem Kopf). Weiter hilft er uns, wenn wir nicht völlig im falschen Job oder der falschen Firma gelandet sind, unsere sozialen Bedürfnisse zu befriedigen – durch Anerkennung und Bestätigung unserer Identität, durch Wertschätzung und durch Sicherheit in einem zwischenmenschlichen Gefüge. Werden durch die Aufgaben, die es zu erledigen gilt noch unsere Stärken, Talente und Interessen angesprochen, können wichtige Individualbedürfnisse erfüllt werden. Und zuletzt: sehen wir einen größeren Sinn in dem, was wir tun, bspw. weil wir anderen Menschen helfen, geht auch die Ampel für unsere höheren Bedürfnisebenen auf grün.

Sind nun also in den verschiedensten Dimensionen unsere Bedürfnisse alle erfüllt, und – ebenso wichtig – in keinem einzigen relevanten Bereich untererfüllt, dann erfreuen wir uns an tollen Gefühlen. Wir sind im „Flow“, wir spüren Begeisterung, wir haben einen erfüllten „Purpose“.

Fazit

Nachdem wir uns die zugrunde liegenden Bausteine für einen erfüllten Purpose-Zustand angeschaut haben, dürfen wir wieder raus zoomen. Kann es sein, dass es einen einzigen Beruf, eine einzige Tätigkeit, oder einen einzigen übergeordneten Sinn gibt, der dich zum Zustand der guten Gefühle führt? Genauso wenig wie es eine einzige Sportart gibt, die einem Menschen Spaß machen kann, einen einzigen theoretisch möglichen Lebenspartner, oder einen einzigen Ort auf dem Planeten an dem du dich wohl fühlen könntest, lautet auch hier die beruhigende Antwort: Ein Mensch kann zahlreiche, begeisternde Berufe haben. Die Kunst ist also nicht, den einen, einzig möglichen Purpose zu finden – sondern einen unter mehreren. Das ist zwar auch noch kein Kinderspiel, aber schon um einiges leichter als die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

*Bspw. Simon Sinek, bekannt geworden mit seinem viralen TEDx Hit und gleichnamigen Bestseller-Buch „Start with Why“, oder John Strelecky, Autor von „Das Café am Rande der Welt“ und „The Big Five for Life”

** Siehe bspw. Maslow oder Barrett

The Happy School Blog

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