Wie aus meiner eigenen Purpose-Suche The Happy School entstand – und aus purem Zufall ein Schritt-für-Schritt-System wurde

Unklarheit über die berufliche Zukunft kann eine massive Auswirkung auf das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit haben – wie ich selbst erlebt habe. Bei mir führte das zu nicht gerade leichten Symptomen – darunter Antriebslosigkeit und echte Selbstzweifel. Eine richtige Identitätskrise also. Warum auch bis zur Midlife-Krise warten, wenn es schon früher geht 😉 

Das erste Mal war zum Ende des Studiums, als der Berufseinstieg bevorstand. Ich war zwar bestens ausgebildet – allerdings so generalistisch, dass ich damit alles und nichts machen konnte (eben ein klassischer Wirtschaftsingenieur). Und während um mich herum jeder einen genauen Plan zu haben schien, wo er sich bewerben will und welcher Karriereeinstieg der richtige ist, fühlte sich für mich nichts wirklich passend an. Unternehmensberatung – lange mein Berufstraum – hatte ich nach einem sensationell uninspirierenden Praktikum ausgeschlossen. Konzernjobs kamen nach meiner (zugegebenermaßen begrenzten) Praktika-Erfahrung nicht mehr in Frage, weil der geringe Gestaltungsfreiraum und die erlebten Vorgesetzten null intrinsische Motivation aus mir rauskitzeln konnten. Und eine Verlängerung der akademischen Verweilzeit mittels Doktorarbeit brachte erst recht keine Euphorie in mir hervor.  

Nicht auf dem Plan – eine Sinnkrise 

Also blieb per Ausschlußverfahren noch eine Option übrig – die Gründung eines Start-Ups. Doch bis diese Idee so richtig Fahrt in mir aufnahm, galt es noch einige Hürden zu überwinden. Denn die Ratschläge von Besserwissenden, die genau wussten was auf dem Lebenslauf am besten aussieht (und folglich für mich richtig ist), zeigten erst einmal echte Wirkung. Meine sensible Natur und mein Harmoniebedürfnis (auch gegenüber meiner Familie) trugen kräftig dazu bei, dass die psychischen Spannungen und der innere Konflikt im Laufe meiner Orientierungslosigkeit immer größer wurden. Erst als ich so richtig unten angekommen war und meine Psyche mir mit ordentlich depressiven Symptomen klar machte, dass etwas nicht stimmte, nahm ich die tiefrote Alarmleuchte endlich wahr. Das Signal war unmissverständlich – die Ratschläge der anderen haben nichts mit meinem eigenen Weg, nichts mit meinem eigenen Glück zu tun. Zurück in meine Lebensenergie würde ich nur kommen, wenn ich das tue, was ganz alleine mir vorschwebt – Lebenslauf hin oder her. 

Hauptsache Start-Up 

Als die Entscheidung stand, keinen Vorgesetzten zu haben und lieber ein Start-Up zu gründen, blieb nur noch eine Frage: was die Firma denn eigentlich tun sollte. Ohne Plan und eine ohne Ahnung von Unternehmensgründungen schloss ich mich mit zwei Freunden zusammen, und wir fingen an wild zu brainstormen. Von alltäglichen Problemen, die man mittels Software lösen könnte (Papierkram mittels KI abschaffen), über funktionale Designer-Artikel (Leder Laptop-Taschen) bis zu Tech-Gimmicks, die uns gerade spannend vorkamen. Weil an einem Wochenende nichts besseres bei herum kam und die Flipchart-Liste bald nicht mehr weiter wuchs, wurde es kurzerhand die erste Idee –  Papierkram-Digitalisierung. 

Der Job-Einstieg war also beschlossen – und mit Hilfe von etwas Start-Up Mentoring im Universitätsumfeld legten wir los. Aus der besten aller mittelmäßigen Ideen wurde innerhalb weniger Jahre eine Venture Capital finanzierte Firma mit Millionen-Umsatz und 40 Mitarbeitern. Für mich selbst und mein mentales Wohlbefinden am wichtigsten: ich hatte endlich einen Weg eingeschlagen, der authentisch war. Und so belohnte mich mein Körper und meine Psyche mit einem Hochgefühl – ich liebte meinen Job, ich liebte meine Identität und mein Leben. Trotz mehrerer Jahre ohne Urlaub und über 100 Stunden pro Woche – ich war so richtig im Flow. Durch Zufall hatte ich also den Jackpot der beruflichen Begeisterung geknackt. Vorerst. 

Wenn die Begeisterung erlischt 

Genauso wenig wie ich wusste, warum genau mein Job mich erfüllte, verblasste nach einigen Jahren die Euphorie ohne Kenntnis darüber, was anders war. Die unternehmerische Reise war zwar eine echte Achterbahnfahrt, doch das alleine hatte mir die Energie nicht geraubt. Die ursprüngliche Vision geriet auf Druck der Investoren immer mehr ins Hintertreffen, und die Geschäftszahlen favorisierten Produkte, für die ich nur mäßig brannte. Ich spürte, dass der Purpose mir allmählich abhanden kam – ohne zu wissen, was Purpose eigentlich ist. Als meine Intuition klar genug war, fasste ich den Entschluss das Kapitel zu schließen – und ein neues aufzuschlagen. Doch was sollte ich dieses Mal tun?

Purpose-Suche, die Zweite

Beim zweiten Mal entschied ich mich, für mein Anliegen eine systematischere Lösung zu finden. Ich wollte in einem strukturierten und vor allem nachhaltigen Prozess herausfinden, was ich mit meinem Leben eigentlich anstellen möchte – und es nicht nochmal dem Zufall überlassen. Der Purpose sollte dieses Mal im Mittelpunkt stehen. Leider wusste ich noch nicht, wie man diesen eigentlich findet. 

Im Laufe meiner persönlichen Entwicklung als Unternehmensgründer hatte ich den Wunsch verspürt, ein herausragender Leader zu werden – und mich daher seit den frühen Gründungsjahren intensiv mit dem Thema Mitarbeiterführung und intrinsischer Motivation beschäftigt. In dem Kontext entwickelte ich eine echte Leidenschaft für Positive Psychologie – also die Frage, was Menschen eigentlich glücklich macht. Diese Faszination führte dazu, dass ich immer tiefer in die Literatur eintauchte und ein Leadership-Seminar nach dem anderen besuchte. Fast überall war dabei die Rede von Purpose, einem höheren Sinn oder einer magisch anziehenden Lebensvision – sowohl für die Gründer und Führungskräfte als auch die Angestellten. Das Pikante allerdings – nirgendwo wurde unterrichtet, wie Menschen, die aktuell diesen Nordstern noch nicht kennen, ihn finden können. Das einzige, was ich fand, waren fantastisch einfach klingende (und z.T. haarsträubende) Methodiken – die ein so generisch klingendes, zweizeiliges “Mission Statement” produzierten, dass es mehr Verwirrung als Klarheit lieferte. Mit Ergebnissen wie “Ich liebe es, anderen Menschen zu helfen und brenne dafür, einen positiven Impact zu haben” ist mir nunmal noch kein bisschen geholfen – denn ob ich danach Gärtner, Altenpfleger oder Arzt werde, hat auf mein Leben dann doch noch die ein oder andere Auswirkung. 

Weil ich das System, das mich strukturiert zu meinem Purpose führen würde nicht fand, musste ich es also selbst entwickeln.     

Wer bin ich eigentlich?

Ich begann mit dem Inventar meiner eigenen Persönlichkeit – und dem, was ich zwischenzeitlich alles über mich kennen gelernt hatte. Die Eckpfeiler möglicher Purpose-Themen waren danach bereits viel klarer – und auch schon einige Rahmenbedingungen für meinen konkreten Arbeitsalltag.  Dazu gehörte: Ich liebe es etwas aufzubauen und zu gestalten, ich mag Freiheit und Verantwortung, und brenne für echte “Sinnhaftigkeit” (also, ganz dem Klischee entsprechend, die “Welt zu einem besseren Ort” zu machen). Zudem fasziniert mich die menschliche Psyche – und ihre Fähigkeit von den wunderschönsten menschlichen Handlungen bis zu den schrecklichsten Verbrechen alles ausdenken, planen und rechtfertigen zu können. 

Ebenso hatte ich entdeckt, worauf ich allergisch reagiere und was ich nicht ausstehen kann. Dazu gehörten zu allererst einmal Werte-Verstöße – also Menschen, die meine wichtigsten Werte nicht lebten – bspw. Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit. Ebenso durfte ich lernen, dass Abhängigkeit (v.a. von anderen Menschen mit scheinbar mehr Macht) und Langeweile (also repetitive Aufgaben) mich schnell in meinen tiefroten emotionalen Bereich bringen.

Aus meinen Lieblings- und Hass-Themen konnte ich schon einige wichtige Leitlinien ableiten. Ich wusste nun, dass ich wieder ein eigenes Unternehmen gründen wollte – ohne Investoren und ohne Mitgründer. Purpose und Sinnhaftigkeit standen im Zentrum – und “glückliche Menschen”, “höheres Bewusstsein” bzw. “authentische Lebensführung” waren zentrale Ideen. 

Ideengenerierung

Diese Eckpfeiler – vor allem was das eigentliche Purpose-Thema anging –  waren noch enorm vage. Sie waren aber schon spezifisch genug um darauf aufbauend konkrete Ideen zu entwickeln. So folgte ein Prozess, in dem ich mich monatelang aktiv in Brainstorming-Modus begab – und innerhalb meiner Interessensgebiete existierende Firmen recherchierte, mich mit Gründern, Angestellten und Coaches  austauschte und mir Bücher & Dokus vornahm. Und natürlich durften auch Seminare und Weiterbildung nicht fehlen – nun aber schon spitzer und fokussierter ausgerichtet. Am Ende standen eine bunte und wilde Mindmap sowie eine Longlist mit über 150, unsortierten Ideen, die es mir allesamt irgendwie antaten. Diese reichten von Schulen mit neuen Bildungskonzepten über New Work Leadership-Trainings bis zu Burning Man-artigen Events (wie gesagt, recht bunt ;))

Ideenpriorisierung

Es war an der Zeit, Ordnung in die wilden Ideen zu bringen. Dazu packte ich die ganzen Tabellen-Inhalte mit Post-Its an die Wand – und versuchte, immer mal wieder ein paar Schritte zurück zu gehen und raus zu zoomen. Da ich bereits wusste, dass ich unternehmerisch tätig sein wollte, mischten sich neben Purpose-Themen auch langfristige Firmenvisionen, Produkt-Ideen und mögliche Geschäftsmodelle mit unter – die es galt voneinander zu separieren. 

Die ersten Produkt-Ideen, noch völlig unsortiert
Grobe Eckpfeiler für die “Vision” – abgeleitet aus mich ansprechenden Firmen-Visionen

Im nächsten Schritt sortierte ich daher die bunte Post-It Flut in Cluster – und fing an, erste Muster zu erkennen. Ich folgte meinem Bauchgefühl, um manche Post-It Wolken und Themengebiete ganz raus zu schmeißen. Die verbliebenen Ideen wurden nach und nach ausgedünnt, rekombiniert und – wenn mir neue Einfälle kamen – auch wieder erweitert. Durch die Verbindung der mich emotional am stärksten ansprechenden Ideen bildete sich ein immer schärferes Bild eines mich begeisternden Purpose-Themas. Ich übertrug die “Gewinner-Post-Its” in ein WOW-Modell (nach Simon Sinek, siehe sein berühmter TED Τalk) – wo ich also WHY (d.h. meinen Purpose), HOW (wie ich ihn erreichen kann) und WHAT (konkrete Produkte) ableitete. Ab jetzt war der Trichter also schon einigermaßen eingegrenzt – und die Schlagwörter drehten sich allesamt um Persönlichkeitsentwicklung, begeisterte Menschen, emotionales Wachstum, Purpose und Erfüllung. 

Ideensammlung für meinen Purpose
Von der Vision zum den Produkten – das angewandte “WOW-Modell”

Im Anschluss folgten rationalere Bewertungsmethodiken und die Einbeziehung von pragmatischen Kriterien, um die Sinnhaftigkeit der Ideen erstmals mit ins Spiel zu bringen. Dazu gehörte der Abgleich, welche Produkte sich mit den aufgestellten Rahmenbedingungen (bspw. keine Investoren) überhaupt entwickeln ließen – und was zwar schön war, aber wohl erst in 5-10 Jahren umsetzbar ist. Ebenso gehörte die Betrachtung der Nachfrageseite (Was braucht die Welt überhaupt? Wofür gibt es einen Markt?) und eine mögliche Wachstumsstrategie (Was kann ich in den nächsten 12 Monaten an den Markt bringen, was baut darauf mittelfristig auf, was ist in 10 Jahren denkbar?) dazu. Aus dem Grund wurde die Gründung von Schulen, der Netflix-Film und das eigene Retreat-Center auch erstmal hinten angestellt 😉      

Produkt-Ideen, zeitlich einsortiert und nach Machbarkeit bewertet

Prototyping

Um die entwickelten Ideen echten Realitäts-Checks zu unterziehen, bindete ich wo ich konnte Experten für die jeweiligen Themen mit ein und fragte sie aus – bspw. Online-Kurs Entrepreneure, Filmemacher, Bildungsexperten, Trainer und Coaches. Das diente einerseits dazu mehr Daten zur Machbarkeit zu erhalten – andererseits half mir das tiefere Eintauchen in das jeweilige Gebiet aber auch, mein Bauchgefühl zu schärfen. Nach jedem “Fachgespräch” und jeder Interaktion wusste ich ein Stück besser, ob eine Schnapsidee mir immer noch zusagte, oder bei näherer Betrachtung doch nicht zu mir passte. Da ich im Laufe meiner ganzen Purpose-Suche kontinuierlich in Austausch mit anderen Menschen ging (bspw. schon bei der Ideengenerierung), hatte ich mir nach und nach eine Peer-Group an thematischen Experten aufgebaut – die ich nun hinsichtlich meiner Shortlist an Optionen ganz spezifisch einbeziehen konnte. 

Mit jedem Gespräch lernte ich mehr darüber hinzu, was mein Herz schneller schlagen lässt und was nicht – und konnte so meine Shortlist weiter kürzen und konkretisieren. Ohne dass ich mir vornahm, an einem bestimmten Tag den Entschluss zu fassen, meinen Purpose bzw. die konkrete Geschäftsidee zu beschließen, wurde es aus den gebildeten Mustern immer klarer und eindeutiger. Und so wurde aus einer langen, wirren Sammlung an theoretischen Ideen ein logisch abgeleiteter Schritt, wofür ich stehen möchte und welche Dienstleistung ich anbieten möchte: Hilfe bei der Purpose-Suche und einer authentischen, begeisterten Lebensführung. 

Produktisierung: Wie aus der eigenen Suche ein Produkt wird

Nachdem die logische Ableitung meines Purpose-Themas feststand, ging es an die zweite Stufe des Prototyping – der Erprobung und schrittweisen Umsetzung eines Produkts, das andere Menschen zu ihrem Purpose führt. Dabei half mir, dass ich mich schon einige Zeit vorher (aus reiner Neugierde) entschlossen hatte mich zum Systemischen Coach ausbilden zu lassen. Der frühe Klienten-Kontakt und das Erlernen der diversen Coaching-Techniken trugen zum “Prototyping” meines ersten Produkts mit bei. Doch bevor ich die ersten 1:1 Purpose-Coachings anbot und mein eigenes System mit anderen erprobte, schaute ich mir noch diverse thematisch verwandte Angebote am Markt an – von Bestseller-Karriereratgebern bis zu Berufsfindungs-Workshops. Meine selbst gesammelten Erfahrungen auf der Purpose-Reise konnte ich dadurch noch aus anderen Blickwinkeln beleuchten und ergänzen – sowohl durch positive Impulse als auch durch negative, die mir aber ebenso halfen klarer zu sehen was ich besser machen möchte. 

Im darauf folgenden 1:1 Coaching mit Purpose-Suchenden konnte ich den ersten Prototypen meines Frameworks validieren und mit weiteren Coachees immer weiter nachschärfen – bis er endlich reif genug war, um ihn in Form eines Kurses mehr Menschen zugänglich zu machen. 

Fazit

Zu Beginn der Reise hatte ich nur vage Ideen und einige Interessensgebiete – und konnte nicht absehen, dass meine eigene Reise am Ende in einem ebensolchen Produkt für andere mündet. Im Rückblick erscheint der Outcome jedoch absolut logisch – weil er so authentisch zu mir und zu meiner eigenen Geschichte passt. Genau das ist das typische für eine gelungene Purpose-Suche und die darauffolgende Umsetzung – dass sich jeder Schritt völlig natürlich und sinnvoll anfühlt, und die Entwicklung wie in einem Fluss voranschreitet.  

Und da sich nicht jeder die Zeit nehmen will oder kann, die ich mir genommen habe, gibt es das ganze System nun auch in etwas kompakter  😉 Angereichert mit Mentoring-Support, Gruppendynamik und praktischen Vorlagen, die im Laufe des Coaching-Curriculums immer weiter gefüllt werden, gelingt die Purpose-Suche so in wenigen Wochen – anstatt in Jahren.